10 Schlafmythen und was dahintersteckt

23. Januar 2024

Schlafmythen gehören für dich ins Reich der Märchen? Es gibt inzwischen so viele Tricks, wie wir unseren Schlaf verbessern können, dass es in der Tat verwirrend sein kann, den Durchblick zu behalten. Hilft Rotwein am Abend beim Einschlafen und müssen wir vor Mitternacht im Bett sein, um uns optimal erholen zu können? Und ist Sport vor dem Schlafen tatsächlich eine schlechte Idee? Wir haben für dich den Wahrheitsgehalt der bekanntesten Schlafmythen überprüft.

Schlafmythen und Gedankenchaos: Welche Schlaf-Tipps helfen wirklich?

 

Wohlgemeinte Ratschläge rund um guten Schlaf gibt es viele, doch sind diese Schlafmythen überhaupt wahr? Gesunder Schlaf steht bei vielen von uns ganz oben auf der Prioritätenliste, denn die nächtliche Erholung hilft uns dabei, bei guter Gesundheit zu bleiben. So verwundert es nicht, dass sich die Menschheit schon seit hunderten Jahren mit Methoden beschäftigen, die Schlafqualität zu erhöhen. Und deshalb sind so viele Schlafmythen im Umlauf, die uns von früheren Generationen überliefert wurden – man denke nur an die berühmte heiße Milch mit Honig. Das Problem dabei: Aus der Flut von Informationen ist es inzwischen fast unmöglich geworden, wirklich hilfreiche Schlaf-Tipps von unbegründeten Schlafmythen zu unterscheiden. Gut, dass die Schlafforschung sich über die Jahre weiterentwickelt hat und inzwischen Antworten auf viele Fragen rund um guten Schlaf liefern kann. Wir verraten dir, an welchen Schlafmythen wirklich etwas dran ist, und welche du getrost ins Reich der Träume verbannen kannst.

Die 10 bekanntesten Schlafmythen im Check

 

Hast du schon einmal in deinem Freundeskreis über Schlafprobleme geklagt? Dann stehen die Chancen gut, dass es unter deinen Bekannten auf einmal viele selbsternannte „Schlafexperten“ gibt, die dir vermeintlich hilfreiche Schlaf-Tipps geben können. Wir haben die bekanntesten Schlafmythen zusammengetragen, von denen du sicherlich schon viele gehört hast. Unser Fakten-Check zeigt dir, welchen davon du glauben kannst – und welche davon Quatsch sind.

 

Man soll vor Mitternacht ins Bett gehen

 

Machst du gerne die Nacht zum Tag? Dann hast du sicher schon die ein oder andere Bemerkung darüber gehört, dass Schlaf nach Mitternacht nicht so erholsam sein soll. Dieser Schlafmythos stimmt nur zur Hälfte. Zwar sind die ersten Schlafphasen besonders wichtig, damit wir uns ausreichend erholen und regenerieren können – doch wann wir sie durchlaufen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aufgrund unterschiedlicher Chronotypen wie Eulen und Lerchen weisen verschiedene Menschen unterschiedliche Schlafmuster auf. Bei Lerchen ist früh Schlafenszeit und dementsprechend sind sie vor Mitternacht im Bett. Bei Eulen dagegen verschiebt sich die biologische Mitternacht, da sie abends nochmal richtig aktiv werden. Doch das bedeutet nicht zwingend, dass ihr Schlaf deshalb grundsätzlich weniger erholsam ist. Entscheidend ist vielmehr die individuelle Schlafqualität und dass wir alle Schlafphasen vollständig durchlaufen.

Bei Vollmond kann man schlechter schlafen

 

Sicher kennst du auch jemanden, der darauf schwört, in Vollmondnächten keinen Schlaf zu finden. Der Mythos stammt aus einer Zeit, in der Menschen dem Mond magische Kräfte zuschrieben – und Schlafwandeln noch als Mondsucht galt. Schlechter Schlaf bei Vollmond wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert. So gibt es sowohl Studien, die keinen Einfluss des Vollmonds auf Schlaflosigkeit feststellen können, als auch solche, die einen Zusammenhang gefunden haben wollen. Möglicherweise handelt es sich am Ende um eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wenn du schon von vornherein davon ausgehst, bei Vollmond nicht schlafen zu können, schläfst du tatsächlich schlecht – aufgrund deiner eigenen Erwartungshaltung.

 

Rotwein am Abend hilft beim Einschlafen

 

Ob das Feierabendbier mit Kollegen oder das abendliche Glas Rotwein vor dem Fernseher: Viele Menschen genießen abends gerne mal ein wenig Alkohol. Und tatsächlich fühlen wir uns nach dem Genuss von Alkohol ein wenig schläfrig. So hat Rotwein eine narkotisierende Wirkung und lässt uns schneller einschlafen. Doch jetzt kommt das große Aber: Der Alkohol lässt uns anschließend unruhiger schlafen, sodass sich unsere Schlafqualität verschlechtert. Wenn du schneller einschlafen willst, solltest du Alkohol daher nicht als Schlummertrunk sehen und stattdessen lieber zu beruhigenden Teesorten greifen.

 

Sport vor dem Schlafen ist ungesund

 

Viele Schlafmythen ranken sich um das Thema Sport. Verwirrend dabei ist vor allem ihre Uneinigkeit. Oft heißt es, Sport vor dem Schlafen sei ungesund, anderswo heißt es, dass Bewegung guten Schlaf fördern soll. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. So kann sich Sport negativ auf deinen Schlaf auswirken, wenn du dich kurz vor dem Zubettgehen noch extrem körperlich verausgabst und deinen Körper dazu bringst, viele Stresshormone auszuschütten. Doch sanfte Bewegungsarten wie eine entspannende Yoga-Einheit oder moderates Training wie Fahrradfahren haben nachweislich einen positiven Effekt aufs Einschlafen. Als Faustregel gilt: Nach besonders intensiven Workouts solltest du deinem Körper zwei, drei Stunden Zeit geben, bevor du ins Bett gehst, damit das ausgeschüttete Adrenalin deine Schlafdauer nicht negativ beeinflusst.

Wir brauchen acht Stunden Schlaf pro Nacht

 

Guter Schlaf ist immer individuell. Bei den von Schlafforschern empfohlenen sechs bis acht Stunden Nachtruhe handelt es sich daher um eine allgemeine Empfehlung und kein Muss. Worauf es vielmehr ankommt, ist dass du deinen Schlaf als erholsam erlebst. Und wenn du schon nach sechs bis sieben Stunden fit und erholt aufwachst, dann brauchst du nicht extra liegen zu bleiben. Durch seine Müdigkeits- und Energielevel kommuniziert uns unser Körper von selbst, was er gerade braucht. Manchmal sind das neun Stunden, und manchmal eben nur sechs. 

 

Heiße Milch mit Honig macht schneller müde

 

Hast du auch von deinen Großeltern häufiger eine heiße Milch mit Honig ans Bett gestellt bekommen? Der Schlafmythos, dass dieser Schlummertrunk schneller müde macht, gehört mit zu den bekanntesten Mythen. Wissenschaftlich ist er jedoch nicht belegt. Auch wenn Milch mit der Aminosäure Tryptophan eine Vorstufe des Schlafhormons Melatonin enthält, so müsstest du das Getränk literweise in dich hineinschütten, um damit eine signifikante Wirkung zu erreichen. Wir glauben, dass es vor allem der Placebo-Effekt ist, der die heiße Milch mit Honig zu einem beliebten Einschlafmittel macht. Denn wenn du bereits als Kind mit einer Tasse warmer Milch mit Honig ins Bett gegangen bist, verbindest du mit diesem Ritual das wohltuende Gefühl von Geborgenheit – und bist folglich entspannter.

 

Im Alter braucht man weniger Schlaf

 

Diese Aussage gehört zu den Träumereien. So brauchen wir nicht automatisch weniger Schlaf, nur weil wir älter werden. Vielmehr verschiebt sich unser Schlafrhythmus. Viele Senioren pflegen einen Lebensstil, bei dem sie früh ins Bett gehen und dementsprechend früher aufstehen. Oft ist der Schlaf zudem nicht mehr so fest, sodass ältere Menschen nachts häufiger und länger wach werden. Dafür legen Senioren tagsüber gerne einmal ein Nickerchen ein. Und dieser Mittagsschlaf führt dazu, dass sie nachts zwar weniger Schlaf benötigen, aber über den Tag ihren Schlafbedarf auffüllen.

Bei offenem Fenster kann man besser schlafen

 

Hinter diesem Schlafmythos steckt ein Fünkchen Wahrheit. Tatsächlich hilft ein offenes Fenster dabei, die Schlafzimmertemperatur herunterzukühlen. Dasselbe kannst du allerdings auch durch Stoßlüften vor dem Schlafengehen erreichen. Diese Variante hat zudem den Vorteil, dass dein Schlaf nicht durch nächtlichen Verkehrslärm beeinflusst wird. Denn selbst wenn du nicht von lärmenden Flugzeugen oder Autos aufwachst: Eine Studie aus Mainz hat bewiesen, dass dein Unterbewusstsein diese trotzdem als Stressfaktoren identifiziert und in Folge der Blutdruck sowie die Cholesterinwerte steigen.

 

Mittagsschlaf für Erwachsene ist ungesund

 

In der westlichen Kultur ist die Nacht für den Schlaf reserviert – jedenfalls, wenn es um Erwachsene geht. Während in Ländern wie Japan und Spanien kürzere Schlafeinheiten tagsüber fest in der Schlafkultur verankert sind, gilt der Mittagsschlaf im Westen als ungesund. Das Argument dahinter: Wer mittags „vorschläft“, verdirbt sich nachts den Schlaf. Doch sind hierzulande die Mittagspausen so kurz, dass es den meisten von uns ohnehin nicht möglich wäre, stundenlang zu schlafen. Ein kurzes Nickerchen von 20 Minuten kann nachweislich gut für unser Wohlbefinden sein. Die kurze Schlafeinheit erlaubt uns, neue Energie für die zweite Tageshälfte zu tanken und gibt unserem Körper eine willkommene Ruhepause, in der er sich regenerieren kann. Ein kurzer Mittagsschlaf ist daher alles andere als ungesund.

 

Blaues Licht stört den Schlaf

 

Wenn es nach Schlafexperten geht, sollte jeder von uns mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen alle digitalen Geräte ausknipsen. Denn Fernseher, Smartphone und Co. strahlen ein künstliches blaues Licht aus, das unseren Schlafrhythmus negativ beeinflussen soll. So zeigen einige Studien einen eindeutigen Zusammenhang zwischen blauem Licht und einer verspäteten Einschlafzeit. Andere Studien wiederum kommen zu einem weniger klaren Ergebnis.

So schlafen Menschen, die nachts noch ihr Handy benutzen, zwar durchweg schlechter als diejenigen, die das Smartphone abends weglegen. Doch dabei ist unklar, ob allein das blaue Licht für den Effekt verantwortlich ist oder zusätzlich andere Faktoren eine Rolle spielen, wie etwa die angesehenen Inhalte. Im Zweifelsfall hilft es, sich an Mutter Natur zu orientieren. Denn egal welche Farbe es hat, letztendlich ist Licht abends nicht gut für einen gesunden Schlaf. Nur eine dunkle Umgebung sorgt dafür, dass wir ausreichende Mengen vom Müdemacher Melatonin bilden.

Bildnachweise:

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